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21.03.2017

Aus für Rabattverträge

Wie die Deutsche Apothekerzeitung (DAZ) am 17. März 2017 berichtete, beendet das jüngst beschlossene Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz (AMVSG) die Praxis exklusiver Verträge der Krankenkassen mit pharmazeutischen Herstellern ("Rabattverträge").

Das AMVSG wird voraussichtlich im April im Bundesgesetzesblatt verkündet und tritt damit sofort in Kraft. Dann könnten neben den rabattierten Impfstoffen auch alle anderen Impfstoffe über die Kassen abgerechnet werden. Laufende Verträge dürften nicht verlängert werden, auch wenn sie eine solche Option vorsähen. Allerdings gebe es wohl Verträge, die noch bis zur Saison 2018/2019 laufen, in Niedersachsen sogar bis 2019/2020.

Das Bundesgesundheitsministerium stellte laut DAZ klar: Die Kassen müssen die verordneten Impfstoffe erstatten, soweit die Leistung im Rahmen der Schutzimpfungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses erfolgt. Das Ministerium gehe davon aus, dass die Krankenkassen sich weiterhin dafür einsetzen werden, dass rabattierte Impfstoffe zur Anwendung kommen. Wie dies allerdings genau geschehen könnte, bleibe offen. (HTR)

Weiterführende Links:
http://impfbrief.de/index.php?nav=30&uunav=901

Kommentar

Ein großer Kritikpunkt an Rabattverträgen, die Verordnung suboptimaler Impfstoffe, wie z.B. trivalenter Influenzaimpfstoff statt quadrivalenter für Risikogruppen, oder Versorgungsengpässe wenn ein Vertragspartner plötzlich ausfällt, wird damit rückgängig gemacht. (HTR)

Letzte Änderung: 2017-03-21 09:15:56

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10.03.2017

54 Lehrer: Schulfrei wegen mangelndem Masernschutz

"Anschauungsunterricht" zu Masernschutz in Höchst
 
Wie das Höchster Kreisblatt gestern berichtete, sind am Tag zuvor 54 von 123 Lehrer der Main-Taunus-Schule vorläufig nach Hause geschickt worden, da ihr Impfschutz gegen Masern entweder unzureichend oder unklar war. Gleiches galt für 147 von 1.517 Schülern sowie weiteres Personal. Anlass, die Impfpässe zu überprüfen, war eine an Masern erkrankte Unterstufenschülerin. Für den Schulbetrieb kommt jetzt erschwerend hinzu, dass ab 16. März die Abiturarbeiten geschrieben werden.
 
Das Beispiel verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass auch Erwachsene (Lehrer!), die nach 1970 geboren wurden, ihren Impfschutz prüfen lassen. (HTR)
 
Weiterführende Links:
http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Masernfaelle-an-Hoechster-Schule;art675,2442034
https://www.mtk.org/Rund-150-Schuler-und-50-Lehrer-heimgeschickt-4916.htm

Update 10.3.2017: 50 Lehrer und 92 Schüler müssen tatsächlich zu Hause bleiben, 10. Klassen haben eine Woche schulfrei.

Letzte Änderung: 2017-03-10 09:10:04

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20.02.2017

Schweiz führt Pertussisimpfung für Schwangere ein

Schwangeren in der Schweiz wird jetzt eine Impfdosis Tdap empfohlen, bevorzugt im 2. Trimester (13.–26. SSW) - und zwar unabhängig vom Zeitpunkt etwaiger Vorimpfungen gegen Pertussis.

Ziel ist, Neugeborene via mütterliche Antikörper besserer zu schützen. Außerdem wird allen Jugendlichen und Erwachsenen (z.B. ältere Geschwister, Großeltern, medizinisches Personal) mit regelmäßigem engem Kontakt zu Säuglingen im Alter unter 6 Monaten alle 10 Jahre eine Auffrischimpfung gegen Pertussis empfohlen.

Die Empfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Impffragen - der schweizerischen Entsprechung der STIKO - werden turnusmäßig zu Jahresbeginn überarbeitet.

Am 11. Januar 2017 hat der schweizerische Bundesrat zudem eine nationale Strategie zu Impfungen (NSI) verabschiedet. In der offiziellen Verlautbarung dazu wird erläutert, dass die NSI Teil der Strategie «Gesundheit 2020» des Bundesrates sei. Sie sehe eine Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und anderen Akteuren vor und werde unter anderem mit der Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) koordiniert. Der Plan zur Umsetzung der verschiedenen Massnahmen der NSI werde 2017 erstellt. (HTR)

Letzte Änderung: 2017-02-20 12:02:04

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20.02.2017

Masern-Postexpositionsprophylaxe: Anwendungshinweise der STIKO

Mit einem Flussdiagramm zum Vorgehen nach Masernkontakt und detaillierten Erläuterungen stellt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) praxisnahe Handlungsempfehlungen für die Masern-Postexpositionsprophylaxe zur Verfügung. Risikogruppen wie Schwangere, Immunsupprimierte und Säuglinge im Alter von unter 9 Monaten werden gesondert betrachtet.
Bemerkenswert ist die Aussage, dass in Immunglobulinen heutzutage mit einem geringeren Gehalt an Masernantikörpern gerechnet werden muss als in der Vorimpfära. Daraus resultiert ein Richtwert von 400mg/kg Körpergewicht. Das zu verabreichende Volumen kann groß sein. Weitere Informationen: Epi Bull 2/2017   (HTR)

Letzte Änderung: 2017-02-20 11:59:38

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21.11.2016

"So weit von Maserneliminierung entfernt wie lange nicht"

Die Nationalen Verifizierungskommission Masern/Röteln beim Robert Koch-Institut (NAVKO) hat ihren aktuellen Bericht für 2015 vorgelegt. Sie fand deutliche Worte: „Die Kommission konnte […] nicht feststellen, dass das bestehende nationale gesundheitspolitische Bekenntnis zur Eliminierung der Masern und Röteln zu deutlichen Schritten hin zu einer Erreichung der Ziele geführt hat. […] Deutschland [war] im Jahr 2015 von der Elimination der Masern so weit entfernt wie lange nicht.“

NAVKO schätzte die Masernviruszirkulation im Jahr 2015 als endemisch ein. Mit einer Inzidenz von 31 Masernfällen pro 1 Mio. Einwohner (gefordert sind 1 Fall pro 1 Mio.) ist sie 2015 deutlich höher als im Vorjahr (rund 5 Fälle/ 1 Mio. Einwohner). Deutschland zählte damit laut WHO und ECDC zu den Ländern mit der höchsten Maserninzidenz in Europa.

Bezüglich der Röteln sei es durchaus möglich, dass die endemische Transmission unterbrochen wurde, dies könne jedoch aufgrund der schlechten Qualität der Surveillance nicht belegt werden. Anlässlich forderte die NAVKO das RKI erneut auf, zeitnah Lösungsvorschläge für eine Zusammenführung der beiden Datensätze des Nationalen Referenzzentrums für Masern, Mumps, Röteln und des Surveillancesystems zu erarbeiten. Dieses habe auch die WHO bereits mehrfach angemahnt. (HTR)

Kommentar

Pläne statt Aktion?

Um geringe Erkrankungszahlen zu erreichen, muss vermehrt geimpft werden und zudem schnell auf Ausbrüche reagiert werden. Dafür muss der öffentliche Gesundheitsdienst ausreichend ausgestattet sein. Die NAVKO kritisierte scharf, dass bisher wenig nachhaltige Verbesserungen in Bezug auf ausreichende Ressourcen der entsprechenden Behörden auf kommunaler, regionaler wie auch nationaler Ebene erreicht wurden, obwohl die Gesundheitsministerkonferenz wiederholt Beschlüsse dazu gefasst hatte.

Gut, dass wir einen Nationalen Impfplan haben, dann wissen wir wenigstens, was wir alles nicht tun. Oder in Anlehnung an S. Wickert (Frankfurt): „Ein Plan bringt noch keine Impfnadel in den Arm.“ (HTR)

Letzte Änderung: 2016-11-21 12:48:54

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23.09.2016

Saison 2016/17 LAIV gleichwertig mit TIV einsetzen

Die Ständige Impfkommission hat aufgrund der heterogenen Datenlage ihre Empfehlung, Influenza-Lebendimpfstoff bei Kindern im Alter von 2 bis 6 Jahren bevorzugt einzusetzen, für diese Grippesaison ausgesetzt.
In die Entscheidung flossen das breitere Antigensprektrum des (quadrivalenten) Lebendimpfstoffs, die bessere Wirksamkeit des (meist trivalenten) Totimpfstoffs und die international heterogene Datenlage mit ein.

Neben internationalen Daten lag der Empfehlung auch eine gemeinsame Studie aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zur Wirksamkeit LAIV vs. TIV zugrunde.

Die Ursachen sind weiterhin unklar. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme der STIKO: "Eine  plausible  wissenschaftliche  Erklärung  für  die  reduzierte Wirksamkeit von LAIV gegen A/H1N1pdm2009 bzw. für  die  widersprüchlichen  Ergebnisse  aus  einzelnen  Ländern gibt es derzeit nicht." (HTR)

Siehe auch Vorberichte im Impfbrief:

Wirksamkeit von FluMist - weitere Daten
Hat LAIV (FluMist(R)/Fluenz(R)) seine Wirksamkeit verloren?

Letzte Änderung: 2016-09-23 09:03:41

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21.09.2016

STIKO to go: Impf-App erschienen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) jetzt für Smartphones zugänglich gemacht. Im Wesentlichen handelt es sich um den Text aus dem Epi.Bull. 34/2016 mit einigen Ergänzungen von den Internetseiten der STIKO bzw. des RKI. Zielgruppe sind impfende Ärztinnen und Ärzte. Die STIKO@rki-App für Android (ab Version 5.1) und in Kürze auch für iOS
(Version 8.2) ist kostenlos:
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.boerm.bruckmeier.robert_koch_institut_stiko

Sie nutzen die Impf-App? Sagen Sie uns Ihre Meinung dazu: info@impfbrief.de

(HTR)

Letzte Änderung: 2016-09-21 09:14:52

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31.08.2016

Änderungen in den neuen STIKO-Empfehlungen

Die Ständige Impfkommission hat turnusgemäß im am Montag erschienenen Epi.Bull. 34/2016 ihre aktualisierten Empfehlungen veröffentlicht. Große Veränderungen hat es diesmal nicht gegeben, der Standardimpfkalender bleibt.

Im Wesentlichen ist neu, dass auch Haushaltskontaktpersonen von chronisch Kranken die Influenzaimpfung empfohlen wird. Außerdem fiel die Abwägung 23-valenter Polysaccharidimpfstoff vs. 13-valenter Konjugatimpfstoff für Senioren für den bisher auch angewendeten Polysaccharidimpfstoff aus. Wobei nach 6 Jahren für Risikopersonen doch eine Wiederimpfung in Betracht kommt. Damit wurde eine ältere Empfehlung in eingeschränkter Form erneut aufgegriffen. Neuerdings wird diese Impfung auch Personen empfohlen, die beruflich Metallrauchen ausgesetzt sind (z.B. Schweißer).

Der Absatz zur Aufklärung vor Schutzimpfungen wurde neu formuliert, insbesondere im Hinblick auf die Verantwortung des Impfarztes/der Impfärztin. In dessen/deren Verantwortung liegt auch, den Verdacht auf eine mögliche Impfkomplikation zu melden. Die neu aufgenommenen "Kriterien zur Abgrenzung einer üblichen Impfreaktion von dem Verdacht auf eine mögliche Impfkomplikation" sind hierfür wichtige Hilfen.

Neu aufgenommen wurde auch ein Abschnitt zu Maßnahmen, die den Impfschmerz in verschiedenen Lebensaltern reduzieren können.

Veränderungen gegenüber dem Vorjahr sind wie üblich im Dokument blau markiert. Die wissenschaftlichen Begründungen zu Änderungen werden in den folgenden Ausgaben des Epi. Bull. veröffentlicht. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-08-31 16:53:31

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07.07.2016

Verdachtsfälle von Impfkomplikationen für 2014 analysiert

Im aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit werden turnusmäßig die Meldungen auf Verdachtsfälle von Impfkomplikationen analysiert. Auch wenn es einzelne ungewöhnliche Fälle gibt, ist doch insgesamt kein neues "Signal" aufgetreten. Weitere Themen sind u.a. Anaphylaxien nach Impfungen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-07-07 17:58:03

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04.07.2016

Lieferengpass bei Sechsfachimpfstoffen - innerhalb der Impfserie wechseln

Aktuell bestehen Lieferengpässe bei Sechsfachimpfstoffen. Infanrix hexa® ist voraussichtlich erst wieder ab Mitte/Ende Juli verfügbar und auch Hexyon hatte einen Engpass. Deshalb hat das Paul-Ehrlich-Institut vorübergehend für Frankreich und Italien produzierte Chargen für den deutschen Markt zugelassen (siehe Meldung vom 30.6.2016).

Zum Vorgehen hat die STIKO eine ausführliche Handlungsempfehlung verfasst.

Dort heißt es zum Wechsel zwischen verschiedenen Impfstoffen:

"Wenn bei dringend erforderlicher Impfung ein für die jeweilige Indikation und das Alter zugelassener Impfstoff nicht verfügbar ist, sollte – auch bei der Erstimmunisierung - auf verfügbare Impfstoffe mit vergleichbarem Antigengehalt zurückgegriffen werden."

Im aktuellen Epi Bull 26/2016 hat sie dies noch einmal präzisiert:

"1. Innerhalb einer Impfserie kann zwischen den hexavalenten
Impfstoffen  (Infanrix  hexa® und  Hexyon®)  gewechselt  werden, wenn dies aus Verfügbarkeitsgründen notwendig ist."

und

"1. Priorität haben Säuglinge, die bislang keine oder nur eine hexavalente Dosis erhalten haben."

Damit ist nun klargestellt, dass auch innerhalb der Grundimmunisierung, also zwischen 1. und 2. Dosis der Sechsfachimpfstoff gewechselt werden kann bzw. sollte. In dieser Situation hat der möglichst frühzeitige Schutz Ungeimpfter Priorität. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-07-04 11:12:51