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07.07.2016

Verdachtsfälle von Impfkomplikationen für 2014 analysiert

Im aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit werden turnusmäßig die Meldungen auf Verdachtsfälle von Impfkomplikationen analysiert. Auch wenn es einzelne ungewöhnliche Fälle gibt, ist doch insgesamt kein neues "Signal" aufgetreten. Weitere Themen sind u.a. Anaphylaxien nach Impfungen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-07-07 17:58:03

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04.07.2016

Lieferengpass bei Sechsfachimpfstoffen - innerhalb der Impfserie wechseln

Aktuell bestehen Lieferengpässe bei Sechsfachimpfstoffen. Infanrix hexa® ist voraussichtlich erst wieder ab Mitte/Ende Juli verfügbar und auch Hexyon hatte einen Engpass. Deshalb hat das Paul-Ehrlich-Institut vorübergehend für Frankreich und Italien produzierte Chargen für den deutschen Markt zugelassen (siehe Meldung vom 30.6.2016).

Zum Vorgehen hat die STIKO eine ausführliche Handlungsempfehlung verfasst.

Dort heißt es zum Wechsel zwischen verschiedenen Impfstoffen:

"Wenn bei dringend erforderlicher Impfung ein für die jeweilige Indikation und das Alter zugelassener Impfstoff nicht verfügbar ist, sollte – auch bei der Erstimmunisierung - auf verfügbare Impfstoffe mit vergleichbarem Antigengehalt zurückgegriffen werden."

Im aktuellen Epi Bull 26/2016 hat sie dies noch einmal präzisiert:

"1. Innerhalb einer Impfserie kann zwischen den hexavalenten
Impfstoffen  (Infanrix  hexa® und  Hexyon®)  gewechselt  werden, wenn dies aus Verfügbarkeitsgründen notwendig ist."

und

"1. Priorität haben Säuglinge, die bislang keine oder nur eine hexavalente Dosis erhalten haben."

Damit ist nun klargestellt, dass auch innerhalb der Grundimmunisierung, also zwischen 1. und 2. Dosis der Sechsfachimpfstoff gewechselt werden kann bzw. sollte. In dieser Situation hat der möglichst frühzeitige Schutz Ungeimpfter Priorität. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-07-04 11:12:51

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24.06.2016

ACIP setzt 2016/17 Empfehlung für LAIV (FluMist/Fluenz) aus (mit Update vom 7.7.2016)

Das US-amerikanische Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) hat am 22. Juni bekannt gegeben, dass es für die kommende Influenzasaison 2016/17 den attenuierten Lebendimpfstoff gegen Influenza (LAIV) nicht mehr empfiehlt.

Diese Entscheidung gingen drei Saisons voraus, in denen LAIV keinen oder einen schlechteren Effekt hatte als inaktivierter Influenzaimpfstoff. Die Ursachen sind noch unklar. Offen ist auch, ob dieses Phänomen weltweit aufgetreten ist oder nur regional. (HTR)

Update vom 7.7.2016

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA kommentierte am 27.6.2016 die ACIP-Empfehlung. Sie geht kritisch auf die widersprüchliche Datenlage ein und sieht die Vorteile des Impfstoffs weiterhin den potenziellen Risiken (resp. der potenziellen Unwirksamkeit gegenüber) als überlegen an: "As such, the agency has determined that specific regulatory action is not warranted at this time." (HTR)

Letzte Änderung: 2016-07-07 17:44:10

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20.04.2016

Europäische Impfwoche: Kreuzworträtsel

Vom 24. bis 30. April 2016 findet wieder die Europäische Impfwoche statt, die vom Regionalbüro für Europa der Weltgesundheitsorganisation ausgerufen wird. Traditionell liegt sie parallel zur Weltimpfwoche.

Anleitungen für PR-Kampagnen oder nationale Planungen, können auf der Kampagnenseite  ebenso heruntergeladen werden wie verschiedene Poster; außerdem gibt es ein Forum zum Austausch.

Der Impfbrief hat diesmal aus Anlass der Impfwoche für seine Leser ein nicht ganz ernst zu nehmendes Kreuzworträtsel rund um Impfungen, Impfstoffe und Infektionskrankheiten zusammengestellt. Wir wünschen viel Spaß beim Lösen! (HTR)

Letzte Änderung: 2016-04-20 09:42:54

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11.04.2016

Neues zum Umgang mit Lieferengpässen und zum Präventionsgesetz

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es bei Nicht-Verfügbarkeit bestimmter Tdap- und Td(ap)-IPV-Impfstoffe auch relativ schnell bei den empfohlenen Ausweichimpfstoffen zu Engpässen kommt.

Die Ständige Impfkommission hat daher im aktuellenEpidemiologischen Bulletin 14/2016 Empfehlungen zum grundsätzlichen Vorgehen bei mangelnder Impfstoffverfügbarkeit veröffentlicht. Dazu gehören unter anderem eine Priorisierung (soweit möglich) nach Impfstatus und Risikogruppen, ein Recallsystem einzurichten und ggf. die Erst- bzw. Gundimmunisierung mit einem Ausweichimpfstoff auszuführen.

Außerdem erläutert diese Ausgabe, welche Konsequenzen sich aus dem Artikel 8 des Präventionsgesetzes ergeben. Die praktische Bedeutung der Veränderungen im Infektionsschutzgesetz wird erläutert. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-04-11 10:35:59

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05.02.2016

Erstes Signal für Influenza-B-Mismatch der trivalenten Influenzaimpfstoffe?

Im Wochenbericht der 4. Kalenderwoche berichtet die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI), dass seit Beginn der Saison im Herbst 2015 insgesamt 99 Influenzaviren angezüchtet bzw. genauer untersucht werden konnten. Das Ergebnis:

  • 83 Influenza-A-Viren (92% vom Subtyp A(H1N1)pdm09, 8% Subtyp A(H3N2)) und
  • 16 Influenza-B-Viren.

Von den 16 Influenza-B-Viren repräsentieren 13 die B-Victoria-Linie. Diese ist im trivalenten Impfstoff jedoch nicht enthalten. Der Impfstamm B/Phuket/3073/2013 gehört zur Yamagata-Linie. Quadrivalente Impfstoffe enthalten mit dem Impfstamm B/Brisbane/60/2008 Antigene der Victoria-Linie.

Es handelt sich um erste Proben, die Ergebnisse sind daher noch mit Vorsicht zu betrachten. Aber auch innerhalb Europas dominiert aktuell die Victoria-Linie gegenüber der Yamagata-Linie (126 vs. 6 in den ersten 4 Wochen 2016; 274 vs. 17 in der Saison; Stand: TESSy 5.2.2016).

Die Impfstämme gegen Influenza A stimmen weitgehend mit den aktuell zirkulierenden Viren überein. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-02-05 11:10:46

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01.02.2016

STIKO überarbeitet Erstimmunisierung jenseits des Säuglingsalters

Im aktuellen Epidemiologischen Bulletin 4/2016 modifiziert die STIKO ihre bisherigen Empfehlungen zur "Grundimmunisierung" jenseits des Säuglingsalters.
Sie unterscheidet zwischen "Grund-" und "Erst-"Immunisierung und gibt überarbeitete Empfehlungen unter anderem zum Einsatz von Tdap- und Tdap-IPV-Impfstoffen: "Ungeachtet der Tatsache, dass die Tdap(-IPV)-Impfstoffe bereits ab dem Alter von 3 (Repevax®) oder 4 Jahren (alle anderen Impfstoffe) zugelassen sind, empfiehlt die STIKO diese Impfstoffe erst ab dem Alter von 5 Jahren. Für die Erstimmunisierung als auch für Auffrischimpfungen im Alter < 5 Jahren empfiehlt die STIKO Impfstoffe mit höherem Diphtherie- und Pertussis-Antigengehalt (D und aP)." (HTR)

Letzte Änderung: 2016-02-01 10:35:04

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11.01.2016

Aktuelle Impfquoten gegen HPV, Masern und Influenza

Im aktuellen Epidemiologischen Bulletin berichtet das RKI aus der KV-Impfsurveillance über Impfquoten der Masern-, HPV- und Influenza-Impfung in Deutschland.

Interessant ist unter anderem eine Aufschlüsselung nach den jeweils fünf Landkreisen mit den höchsten bzw. niedrigesten Masern-Impfquoten bei Kleinkindern.
Während sich die Masern-Impfquoten zwischen langsamem Anstieg und Stagnation bewegen, gingen die Impfquoten gegen Influenza in der Zielgruppe über 60 Jahren eher zurück und stagnieren nun. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-01-11 11:07:27

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18.12.2015

Grundimpfpflicht für Kinder? - Es gibt Besseres zu tun

Die CDU hat auf ihrem 28. Parteitag eine Grundimpfpflicht für Kinder gefordert. Diese soll für alle derzeit bis zum zweiten Geburtstag empfohlenen Standardimpfungen gelten. Initiator dieses Beschlusses ist die Junge Union. (HJS-B)

Kommentar:

Jahrzehntelang hatten Impfexperten mangelndes Interesse der Politik am Impfwesen zu beklagen. Schön, dass sich das inzwischen geändert hat. Schade, dass das neue Interesse noch nicht von der wünschenswerten Expertise begleitet wird. Nach vier Nationalen Impfkonferenzen und der schweren Geburt eines Nationalen Impfplans wissen wir eines mit Sicherheit: Das deutsche Impfwesen ist hoch komplex und dieser Gordische Knoten ist nicht einfach mit dem Schwert "Impfpflicht" zu durchschlagen.

10 Gründe, warum eine solche Impfpflicht höchstwahrscheinlich
kontraproduktiv wäre


  1. Staaten mit einer Impfpflicht haben keine höheren Impfraten als Staaten mit gutem Impfmanagement (siehe http://impfbrief.de/index.php?nav=30&uunav=372 bzw. 1. Nationale Impfkonferenz).
  2. Rund ein Drittel der Deutschen steht Impfungen skeptisch gegenüber
    (siehe http://www.bzga.de/forschung/studien-untersuchungen/studien/impfen-und-hygiene/ oder auch http://impfbrief.de/index.php?nav=30&uunav=892). Zwingt man diese durch eine Pflicht, würde die Skepsis bei vielen zur Ablehnung. Wie schnell sowas umschlagen kann, zeigte die  "Schweinegrippe".
  3. Die vorgeschlagene Impfpflicht ist ethisch nicht vertretbar (http://impfbrief.de/index.php?nav=30&uunav=887 oder auch Festvortrag 3. Nationale Impfkonferenz)
  4. Die Krise der Impfungen ist im Kern eine Vertrauenskrise (http://www.impfbrief.de/index.php?nav=30&uunav=802).
  5. Die Impfprävention im 21. Jahrhundert stellt hohe Anforderungen an die Risikokommunikation. Mit einer reinen Faktenvermittlung ist es heutzutage nicht getan (http://www.impfbrief.de/index.php?nav=30&uunav=579). Der Schwerpunkt  der Kommunikation sollte darauf liegen, mit verunsicherten Eltern zu kommunizieren und mit Impfskeptikern.
  6. Jetzt eine Impfpflicht einzuführen, würde unsere Gesellschaft unnötig polarisieren. Allein eine verpflichtende PRÜFUNG des Impfstatus würde die Impfraten gegen Masern je nach Altersgruppe um etwa 10 bis 50% anheben. Bis zur Impfpflicht ist also noch viel Luft (http://impfbrief.de/index.php?nav=30&uunav=1114 und http://www.impfbrief.de/index.php?nav=30&uunav=886).
  7. Masernkranke in Deutschland werden zunehmend älter. Schon längst sind es nicht mehr die Kinderärzte, die diese Impflücken bei den inzwischen jungen Erwachsenen schließen könnten (http://www.impfbrief.de/index.php?nav=30&uunav=1078).
  8. Viel zu selten führen Arztpraxen bei Erwachsenen eine regelmäßige Kontrolle des Impfstatus durch: 51% vs. 65% - ABL/NBL (http://www.impfbrief.de/index.php?nav=30&uunav=1078). Bestehende Impflücken würden uns noch Jahrzehnte weiter begleiten, fokussiert man sich nur auf eine Impfpflicht für Kinder.
  9. Fachübergreifendes Impfen wie Impfungen der Eltern beim Kinderarzt, Impfungen schlecht erreichbarer Gruppen durch den öffentlichen Gesundheitsdienst u.a. Impfhindernisse sind noch nicht befriedigend gelöst (siehe z.B. http://nationale-impfkonferenz.de/wp-content/uploads/sites/10/2015/06/NIK-AG-3.pdf oder auch http://impfbrief.de/index.php?nav=30&uunav=1100).
  10. Was man am besten tun kann, wurde seit 2009 in einem langwierigen Prozess, der alle im Impfwesen beteiligten Akteure(!) mit einbezog, herausgearbeitet (siehe Nationaler Impfplan und Nationaler Aktionsplan Masern/Röteln)
Der CDU-Beschluss ignoriert dieses gesammelte Wissen. (HTR)

Letzte Änderung: 2015-12-18 14:00:39

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15.12.2015

Diphtherie kehrt nach Lettland zurück

Zwischen 2009 und 2011 wurden 14 Fälle von Diphtherie in Lettland registriert. In den vergangenen drei Jahren hat sich die Anzahl der Diphtheriefälle gegenüber den Vorjahren noch verdoppelt, meldete ProMED-mail mit Hinweis auf die lettische Nachrichtenplattform "Public Broadcasting of Latvia". Während in anderen Staaten Europas Diphtherie praktisch ausgerottet ist, verzeichnete Lettland in den vergangenen 15 Jahren 20 Todesfälle durch Diphtherie. Ob wirklich nur fehlende Impfungen die Ursache des Ausbruchs sind, wird noch diskutiert (www.promedmail.org/post/3850835). (HTR)

Letzte Änderung: 2015-12-15 08:50:46