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21.05.2013

Impfungen bei Jugendlichen in den 6. bis 10.Klassen 2011 – ein Ländervergleich

Handlungsbedarf für eine nationale Impfstrategie
(öffentlich zugänglich aus Anlass der 3. Nationalen Impfkonferenz)

Gabriele Ellsäßer*, Gabriele Trost-Brinkhues**
* Abteilung Gesundheit im Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg
** Kinder-und Jugendgesundheitsdienst im Gesundheitsamt der StädteRegion Aachen

Hintergrund

Die Impfprävention für Jugendliche nach den Empfehlungen der STIKO umzusetzen, ist eine besondere Herausforderung für das Gesundheitswesen. Um einen nachhaltigen Impfschutz aufzubauen, sind rund sieben Millionen 9- bis 18-Jährige mit jeweils ein bis zwei Auffrischimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis und Pertussis zu versorgen. Bei Schülerinnen steht ab dem Alter von zwölf Jahren die HPV-Grundimmunisierung an. Der individuelle Impfschutz muss für jeden aufgebaut, fehlende Standardimpfungen nachgeholt und neu eingeführte Impfungen etabliert werden (STIKO 2012)(1).

Nur hohe Durchimmunisierungsraten gewährleisten einen dauerhaften Schutz der Bevölkerung, die Eindämmung von Ausbrüchen und letztendlich die Eliminierung von Krankheitserregern(2). Beispielsweise sind 95% der Bevölkerung zweimalig gegen Masern zu impfen, um eine Populationsimmunität für nicht Geimpfte aufzubauen, so die WHO-Position(3). Von besonderer Bedeutung ist auch die Auffrischung der Pertussis-Immunität. Denn der Schutz vor Pertussis nach Impfung wie auch nach Wildvirus-Pertussis-Infektion hält durchschnittlich nur vier bis sieben Jahre an(4). Daher müssen Veränderungen im Impfkalender, wie die Verlagerung der ersten Pertussis-Auffrischimpfung (STIKO 2006)(5) in das Vorschulalter (5 bis 6 Jahre), gefolgt von einer zweiten Auffrischimpfung mit 9 bis 17 Jahren, auch in das medizinische Versorgungssystem implementiert werden. Noch ist das nicht ausreichend gelungen. Das medizinische Versorgungssystem ist darauf angewiesen, dass es von Jugendlichen aktiv aufgesucht wird. Im Schulalter wird aber nur eine gesetzlich finanzierte Vorsorgeuntersuchung im Alter von 12 bis 14 Jahren angeboten(6). Die Inanspruchnahmeraten sind, so die Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys, mit rund 33% nur unzureichend(7).
Die kontinuierliche Überwachung (Surveillance) des Impfstatus der Bevölkerung und die Identifizierung hemmender und fördernder Faktoren der Impfakzeptanz sind Voraussetzung für die Realisierung einer Impfstrategie (Empfehlungen des National Vaccine Advisory Committee für die USA)(8). In Deutschland ist die Surveillance der Durchimmunisierung der Bevölkerung nur für die Schulanfänger, jedoch nicht für Jugendliche gesetzlich verankert (§ 34 Abs. 11 IfSG). Daher fehlen für das Jugendalter bundesweit aktuelle Informationen(9) und bis heute dienen noch die Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys aus dem Zeitraum 2003 bis 2006 als Entscheidungsgrundlage. Einen Vergleich der Impfquoten in den 16 Bundesländern ermöglicht der bundesweite Survey nicht. Ebenso existieren keine bundesweiten Monitoringdaten zu den in den Folgejahren von der STIKO eingeführten Impfungen, wie der HPV-Impfung bei 12- bis 18-jährigen Mädchen (STIKO 2009)(10) oder der Meningokokken C-Impfung bei Jugendlichen (STIKO 2006)(11).

Daher war Ziel der vorliegenden Studie festzustellen, wie auf Länderebene durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) die Surveillance der Durchimmunisierung bei Jugendlichen umgesetzt wird und welcher Handlungsbedarf daraus abzuleiten ist. Ausgehend von einer Initiative des Fachausschusses Kinder- und Jugendgesundheit (KJG) im BVÖGD und von direkten Anfragen bei den Gesundheitsämtern bzw. Landesgesundheitsämtern wurde eine erste Analyse mit fünf Bundesländern in 2009(12) durchgeführt und diese mit einer erneuten Erhebung über die Landesämter in 2012(13) und 2013 aktualisiert.

Methodik

Es handelt sich um eine systematische Erhebung von verfügbaren Impfquoten aus landesweiten Surveillanceprogrammen zur Durchimmunisierung von Jugendlichen bezogen auf die Klassen sechs bis zehn (Altersgruppe 12 bis 16 Jahre). Der vorgegebene Dokumentationsstandard beruht auf den Standardimpfungen nach STIKO für das Kindes- und Jugendalter und differenziert nach vollständiger Grundimmunisierung (GI) und Anzahl der Auffrischimpfungen. Die Basis der Impfquoten ist die Anzahl der kontrollierten Impfausweise bezogen auf die Anzahl der untersuchten Jugendlichen in Prozent.

In den Vergleich wurden insgesamt 8 von 16 Bundesländern aufgenommen, da sie über ihre Gesundheitsämter in den letzten fünf Jahren weitgehend systematisch in den 6., 8. oder 10. Klassen die Impfausweise kontrollierten und die Daten kontinuierlich und zum Teil auch öffentlich zur Verfügung stellten. Im einzelnen: die fünf neuen Bundesländer Brandenburg (BB)(14), Mecklenburg-Vorpommern (M-V)(15), Thüringen (Th)(16), Sachsen (S)(17), Sachsen-Anhalt (S-A)(18), und die Länder Bayern (Ba)(19), Schleswig-Holstein (S-H)(20) und Nordrhein-Westfalen (NRW)(21). In Brandenburg lag der Schwerpunkt auf den 10. Klassen und den Schulabgängern. Daher sind Schüler aus den Gymnasien unterrepräsentiert. In NRW wurde gezielt der Impfstatus von Schülern an Schulen in sozialen Brennpunkten überprüft, da hier der ÖGD in der Betreuung von Schulkindern Schwerpunkte setzt. Diese Zielgruppe wird bei den Ergebnissen gesondert betrachtet. 

Darüber hinaus werden die Impfquoten mit Zielwerten zum wirksamen Aufbau einer Populationsimmunität in der Bevölkerung verglichen:

  • WHO und nationales Ziel 95% für die zweimalige Masernimpfung (MMR)(22),
  • größer 80% für die Meningokokken-C-Impfung(23) und
  • 90% für die Td-Pertussis-Auffrischimpfung(24).

Surveillancedaten insbesondere zu Pertussis und Masern werden zusätzlich mit einbezogen, um Zusammenhänge zwischen nicht ausreichenden Impfquoten und Erkrankungsgeschehen zu verdeutlichen.

Ergebnisse

In Bayern wurde mit rund 106.000 Kindern in den 6. Klassen die größte Population untersucht, in Schleswig-Holstein mit rund 3.000 Kindern in 6. Klassen die kleinste. Die Impfausweisquote der Schüler in den 6. bis 10. Klassen (Altersspanne 12 bis 16 Jahre) lag durchschnittlich bei 72,1% (ohne 8. Klasse S-H). Die höchsten Werte mit rund 85% wurden in Sachsen-Anhalt bzw. Sachsen erreicht und die niedrigsten Werte mit 64% in Schleswig-Holstein und 60% in Bayern festgestellt. Die Stichprobe von Sechst- bis Zehntklässlern in Haupt-, Grund- und Gesamtschulen von elf Kommunen in NRW erzielte mit rund 55% den niedrigsten Anteil der überprüfbaren Impfausweise (Abb. 1). Die Stichprobe der 8. Klassen in Schleswig-Holstein wurde bei den weiteren Ergebnissen nicht mehr einbezogen, da hier der Anteil der vorgelegten Impfausweise nur 38,8% erreichte.


 

Abb. 1: Ländervergleich: Vorgelegte Impfausweise in 6., 8., 10. Klassen im Schuljahr 2010/2011, in %, bezogen auf alle untersuchten Schüler

Während die 1. Tetanus-Auffrischimpfung bei Sechst- bis Zehntklässlern noch Durchimmunisierungsraten zwischen 81,0% (Minimum) in Bayern und 92,7% (Maximum) in Brandenburg erreichte, lag die 2. Tetanus-Auffrischimpfung auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Bei den Sechstklässlern in den Ländern Sachsen und Sachsen-Anhalt lagen die Werte mit rund 34% nur leicht über der durchschnittlichen Impfquote des KiGGS (11-17 Jahre: 29,7%) und in der Stichprobe von Schleswig-Holstein (6. Klasse) mit 16,0% deutlich darunter. Mit zunehmendem Alter stiegen die Impfquoten auf Werte von 51,5% in Mecklenburg-Vorpommern (8. Klassen) und Brandenburg auf 67,6% in den 10. Klassen. In den sozialen Brennpunktschulen in NRW wurde mit 72,0% der höchste Wert erreicht (Abb. 2).

Abb. 2: Ländervergleich: 1. und 2. Tetanus-Auffrischimpfung bei Schülern 2010/11, in% Impfausweise

Die 1. Auffrischimpfung gegen Poliomyelitis ließ deutliche Länderunterschiede erkennen mit einer Spannbreite in den 6. Klassen zwischen 36,0% (Sachsen-Anhalt) und 72% (Schleswig-Holstein). Auch in den 8. Klassen wurden nicht höhere Werte als 70,2% (Thüringen) erreicht und in den 10. Klassen in Brandenburg waren nur zwei Drittel der Jugendlichen gegen Polio aufgefrischt (Abb. 3). Im Vergleich zu 2008/09 haben sich diese Impfdefizite nur im Land Sachsen leicht verringert (2008/09 54,4%).

Abb. 3: Ländervergleich: Auffrischimpfung gegen Poliomyelitis bei Schülern im Schuljahr 2010/11, in % Impfausweise

Niedrige Impfquoten wurden auch für die Pertussis-Auffrischimpfung festgestellt, die von der STIKO seit 2000 für das Alter von 9 bis 17 Jahren empfohlen wird. Unter Werten von 55% lagen die Impfquoten in den 6. Klassen von vier Bundesländern, einschließlich der Schüler in den sozialen Brennpunktschulen in NRW. Nur Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erreichten in den 8. und 10. Klassen höhere Durchimmunisierungsraten von 64% und 75%. (Abb. 4).

Abb. 4: Ländervergleich: Erste Auffrischimpfung gegen Pertussis bei Schülern im Schuljahr 2010/11, in % Impfausweise

Auf Grund der zu niedrigen Raten der Pertussis-Auffrischimpfung bei den älteren Schülern kann über die Pertussis-Surveillance in den neuen Bundesländern ein Erkrankungsgipfel bei den älteren 10- bis 15-jährigen Schulkindern und Jugendlichen (14 bis 19 Jahre) beobachtet werden. Dies wird beispielhaft für die Bundesländer Thüringen und Brandenburg vorgestellt (Abb. 5 und 6).

Abb. 5: Pertussis-Erkrankungen nach Altersgruppen im Land Thüringen, 2008 bis 2012, RKI Survstat 01.04.2013

Abb. 6: Pertussis-Erkrankungen nach Altersgruppen im Land Brandenburg, 2008 bis 2012, RKI Survstat 01.04.2013

Ausbruchsdaten aus Brandenburg zeigten für das Jahr 2012, dass Pertussis zu 78% die Familie betrifft und auch Säuglinge angesteckt wurden. Das entspricht internationalen Erfahrungen(25). Darüber hinaus wurden immer wieder Ausbrüche in Schulen beobachtet. Die deutlich höhere Durchimmunisierungsrate der Brandenburger Zehntklässler im Vergleich zu den anderen neuen Bundesländern wirkte sich bei diesen jedoch nicht in einer Reduktion des Krankheitsgeschehens aus. Im Gegenteil, die Surveillancedaten zeigten in den letzten vier Jahren eine Zunahme an Fällen bei den älteren Brandenburger Schülern und ebenso bei den jungen Erwachsenen(26) (Abb. 6).

Das nationale Ziel einer Impfquote von 95% für die zweimalige Masern-Impfung erreichten im Schuljahr 2010/11 sechs von acht Bundesländern mit Werten über 91%. Dabei zeigte ein Vergleich der Länder nach Klassenstufen, dass Raten über 92% bereits in den sechsten Klassen von drei Bundesländern erreicht werden konnten. Der Zeitvergleich zwischen dem Schuljahr 2008/09 und 2010/11 verdeutlicht, dass die Länder mit Impfquoten über 90% diese im Verlauf der letzten drei Jahre zum Teil noch verbessern konnten. Bayern und die Schüler aus den sozialen Brennpunktschulen in NRW lagen im gesamten Betrachtungszeitraum deutlich unter 90%, auch wenn sich hier eine steigende Tendenz abzeichnete (Abb. 7).

Abb. 7: Ländervergleich: Zwei Masern-Impfungen bei Schülern 2008/2009 und 2010/11, in% Impfausweise

Die Masern-Inzidenzen nach Altersgruppen für das Jahr 2011 (Abb. 8) verdeutlichen, dass hohe Durchimmunisierungsraten für eine zweimalige MMR-Impfung bereits ab 24 Lebensmonaten notwendig sind, um ungeimpfte Säuglinge und kleine Kinder im 2. Lebensjahr wirksam zu schützen(27).

Abb. 8: Masernerkrankungen in Deutschland pro 100.000 der Altersgruppe 2011; Quelle: RKI, SurvStat 20.03.2013

Die seit Jahren in Bayern noch unter 90% liegenden Impfquoten bei der zweimaligen Masern-Impfung lassen vermuten, dass die Populationsimmunität, gemessen an den WHO-Zielwerten von 95%, nicht ausreichend ist. Dies zeigt sich auch in den höheren Masern-Inzidenzen bei einem Vergleich der acht Länder für das Jahr 2011 (Abb. 9).

Abb. 9: Masernerkrankungen in Deutschland pro 100.000 nach Bundesländern 2011; Quelle: RKI, SurvStat 13.03.2013

Die in 2006 eingeführte Meningokokken-C-Impfung, auch als Nachholimpfung durch die STIKO empfohlen, wurde in der Praxis nicht ausreichend bei den Jugendlichen umgesetzt (Abb. 10)(28). Die Impfquoten lagen bei unter 74% und die Spanne zwischen den acht Bundesländern war mit 49,1% erheblich – dies auch bezogen auf die unterschiedlichen Klassenstufen. Besonders markant war der Unterschied von fast 50 Prozentpunkten in den 6. Klassen zwischen Sachsen (Maximum) und Schleswig-Holstein (Minimum). Auch bei den älteren Schülern in den 10. Klassen in Brandenburg waren fast 50% der Jugendlichen nicht gegen Meningokokken geimpft.

Abb. 10: Ländervergleich: Men C-Impfung bei Schülern 2010/11, in% Impfausweise

Die seit 1995 für alle Kinder bis zum Alter von 17 Jahren empfohlene Hepatitis-B-Impfung lag auf einem deutlich höheren Niveau als die Auffrischimpfungen und die Unterschiede zwischen den Ländern waren deutlich geringer (Abb. 11). Die Prozentunterschiede lagen bei 10% (Spanne 84,1% bis 95,2%) bzw. bei 5% (85,4% bis 91,0%) bezogen auf die 6. Klassen und 8. Klassen. Die höchsten Impfquoten mit fast 95% wurden bereits in den 6. Klassen in Sachsen erreicht, während im Land Brandenburg bei den älteren Schülern in den 10. Klassen die niedrigsten Impfquoten mit rund 80% festgestellt wurden.

Abb. 11: Ländervergleich: Vollständige Hepatitis-B-Impfung bei Schülern 2010/2011, in% Impfausweise

Die HPV-Grundimmunisierung bei Mädchen im Jahr 2009, von der STIKO für alle Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren empfohlen, erzielte nur niedrige Durchimmunisierungsraten (Abb. 12). Bezogen auf die verschiedenen Klassenstufen wurde ein markanter Altersunterschied deutlich. Während in den 6. Klassen Mädchen in Sachsen und Sachsen-Anhalt zu 99% nicht grundimmunisiert waren, holten die Mädchen mit zunehmendem Alter (8. und 10. Klasse) etwas auf. Der Regionalvergleich innerhalb Brandenburgs zeigte darüber hinaus, dass auch erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen bestand (Maximum 51,0% vs. Minimum 26,8%)(29).

Abb. 12: Ländervergleich: Vollständige HPV-Impfung bei Schülern 2010/11, in% Impfausweise

Diskussion

Impfausweise wurden von Jugendlichen zu den Checks des ÖGD in den 6. bis 10. Klassen häufig nicht mitgebracht. Im Vergleich zum Zeitpunkt der Einschulungsuntersuchung im Jahr 2010 (92%)(30) fast um 30 Prozentpunkte weniger. Dabei waren die Unterschiede auch innerhalb der Bundesländer erheblich. Beispielsweise variierten die Impfausweisquoten unter den Kreisen in Sachsen-Anhalt zwischen 71,4% und 89,7%(18). In Schleswig-Holstein lag die Impfausweisequote in den 8. Klassen mit rund 39% am niedrigsten, während in den 6. Klassen noch fast zwei Drittel der Schüler die Impfausweise mitbrachten. Auffallend ist, dass sich die Achtklässler in Thüringen anders verhielten als in Schleswig-Holstein und über 80% der Schüler die Impfausweise mitbrachten. Kinder- und Jugendärzte in den Kinder- und Jugendgesundheitsdiensten berichten, dass es stark von den Lehrern und Schulleitungen abhängt, ob die Schüler ihre Impfausweise mitbringen. Eine ähnliche Situation wurde bei der Impfaktion „Pimp your life“ in Brandenburg festgestellt(31).

Die im Vergleich zu den Einschulungsuntersuchungen deutlich niedrigeren Quoten von vorgelegten Impfausweisen bei den älteren Schülern stellen eine Limitation für die Bewertung der ermittelten Werte der acht Bundesländer dar. Der Ländervergleich verfolgt daher das Ziel, die besonderen Handlungsbedarfe bei der Umsetzung der Impfempfehlungen der STIKO bei älteren Schülern zu identifizieren.
Die Länderdaten lassen erkennen, dass die Impfempfehlungen bei allen Auffrischimpfungen nicht ausreichend umgesetzt sind, auch wenn noch bis zum 18. Geburtstag die Möglichkeit besteht, geimpft zu werden. Auffallend niedrig lagen die Impfquoten für die 2. Tetanus-Auffrischimpfung, die auch bei den Brandenburger Zehntklässlern – im Durchschnitt 16 Jahre alt – noch bei rund einem Drittel fehlte. Ähnlich unzureichend wurde die STIKO-Empfehlung für die Polio-Auffrischimpfung umgesetzt. Rund 40% der Jugendlichen erhielten diese Impfung in den Bundesländern Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Bayern bisher nicht. Zu befürchten ist, dass eine ganze Reihe von Jugendlichen einen kompletten Individualschutz bis zur Schwelle des Erwachsenenalters nicht erreicht, auch wenn der eine oder andere verletzungsbedingt eine Auffrischung gegen Tetanus bzw. kombiniert gegen Diphtherie erhalten könnte. Das neue Angebot der Jugendvorsorgeuntersuchung (J2) wird die Situation nicht grundlegend verändern, da es sich hier um eine individuelle Gesundheitsleistung handelt, die die Familien privat bezahlen müssen. Dies stellt eine hohe Schwelle dar.

Die Pertussis-Auffrischimpfung hatte sich nur in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern besser etabliert(9) – jedoch fehlte auch dort bei 25 bis 35% der Jugendlichen die Auffrischung. Da der Pertussis-Impfschutz bekanntermaßen nach vier bis sieben Jahren nachlässt(4), können die Jugendlichen keinen stabilen Immunschutz bis in das junge Erwachsenalter aufrechterhalten. Gerade junge Familien benötigen eine wirksame Immunisierung, damit keine Übertragung des Erregers auf den nicht geschützten Säugling erfolgt und dieser nicht an einem lebensbedrohlichen Atemstillstand stirbt(32). Der Bericht zur Impfsituation bei Kindern im Vorschul- und Schulalter in Sachsen-Anhalt wies auf diese eklatante Impflücke bei über 50% der Sechstklässler hin, die sich in den letzten Jahren sogar vergrößerte (2006/07 43,1% vs. 2010/11 51,9%). Ähnlich besorgniserregend ist die im Jahr 2011 unzureichende Umsetzung der 1. Pertussis-Auffrischimpfung im Alter zwischen fünf und sechs Jahren mit Werten von 43,7% in Mecklenburg-Vorpommern(15), 32,9% in Brandenburg(14) und 11,2%(20) in Schleswig-Holstein.

Die Pertussis-Surveillance(33) in diesen Bundesländern zeigte einen Altersgipfel bei den 10- bis 15-jährigen Schulkindern. Hellenbrand et al. stellten in weiteren Analysen fest, dass die Jugendlichen zum Teil ungeimpft bzw. nicht ausreichend gegen Pertussis immunisiert waren(34). Auch verbesserten die hohen Inanspruchnahmeraten der U9 bei den Brandenburger Einschülern nicht maßgeblich ihren Pertussis-Impfstatus, so die Daten aus der Gesundheitsberichterstattung des Landes Brandenburg(35). Gerade die Anbindung von Auffrischimpfungen an die Früherkennungsuntersuchung U9 wäre zur Förderung der Impfquoten sinnvoll, so die Empfehlung von Terhardt im Schwerpunktheft des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e. V. anlässlich von 40 Jahren Früherkennungsuntersuchungen(36).

Eine positive Entwicklung lässt sich hingegen bei der Durchimmunisierung der Kinder und Jugendlichen gegen Hepatitis B feststellen(28). Inzwischen profitieren die jüngeren Jahrgänge von den Möglichkeiten der Kombinationsimpfung im Säuglingsalter. Die Einschüler erreichten im Jahr 2010 inzwischen Raten über 90% und ähnlich hoch lagen auch die Raten bei den Sechstklässlern in Schleswig-Holstein, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Diese insgesamt positive Entwicklung spiegelt sich auch in einem Rückgang der Hepatitis-B-Erkrankungen wider, wie für das Land Brandenburg nachgewiesen werden konnte(37).

Die zweimalige Masernimpfung hat sich in sechs der acht Bundesländer auch bei den älteren Schülern mit Werten über 90% gut etabliert. Unter 90% lagen weiterhin die Impfquoten in Bayern und auch bei den Schülern von Schulen in sozialen Brennpunkten aus NRW. Die nicht ausreichende Durchimmunisierung der bayerischen Bevölkerung zeigte sich dort in der deutlich höheren Erkrankungsinzidenz(38) im Vergleich zu den anderen sieben Bundesländern und dadurch bedingten Ausbrüchen(39). 

Die im Jahr 2006 von der STIKO neu eingeführte Meningokokken-C-Impfung ist insbesondere für die Risikogruppe der Jugendlichen von Bedeutung, die lebensbedrohlich an Meningokokken erkranken können(40). Daher hat die STIKO diese Impfung als Nachholimpfung bis zum Alter von 17 Jahren empfohlen. Während Einschüler bereits im Jahr 2010 in den neuen Bundesländern Impfquoten von über 80% erreichten(28), lag diese bei den Jugendlichen erheblich darunter mit zum Teil sehr niedrigen Werten von 30%. Hier wirkte sich besonders nachteilig aus, dass diese Impfung nicht als Catch-Up-Impfung in Deutschland eingeführt wurde(41).

Die HPV-Impfung war bei den 12- bis 16-jährigen Mädchen die am schlechtesten umgesetzte Impfung(28). Trotz wissenschaftlicher Evidenz der Wirksamkeit dieser Impfung(42) ist sie in Deutschland im System der hausärztlichen und gynäkologischen Versorgung schwer zu etablieren. Wie eine aktuelle Befragung von Brandenburger Hausärzten ergab, lehnen diese die HPV-Impfung zum Teil ab und verweisen an die niedergelassenen Gynäkologen. Gerade in ländlichen Gegenden fehlen diese Fachärzte und so entstehen Versorgungsengpässe für die HPV-Impfung(43).

Schlussfolgerungen

Die nationale Impfstrategie sollte die verfügbaren Daten der Länder zu Impfquoten bei Jugendlichen nutzen und zielgerichtete Handlungsempfehlungen für die Impfpraxis von Jugendlichen geben. Die Daten zeigen, dass das ambulante medizinische Versorgungssystem die Jugendlichen nicht ausreichend erreicht.

  • Die Kooperation mit dem ÖGD zur systematischen Überprüfung der Impfausweise in Schulen, die Identifizierung von Impflücken, gezielte Beratung und der Weiterverweis an die niedergelassenen Hausärzte bzw. Kinder- und Jugendärzte, um Impfungen nachholen zu lassen, sind wichtige Motivationsgeber.
  • Catch-Up-Programme sind notwendig, um neu eingeführte Impfungen, aber auch Nachholimpfungen zu fördern und im Gesundheitssystem zu implementieren.
  • Hausärzte sind verstärkt über die Notwendigkeit von Impfungen bei Kindern und Jugendlichen zu informieren, um Vorbehalte gegenüber bestimmten Impfungen abzubauen (HPV-Impfung). Sie sind die im ländlichen Raum entscheidenden versorgenden Impfärzte und sollten daher konsequent alle Impfungen für das Jugendalter anbieten.
  • Konzertierte Aktionen und zentrale Einladungen auch zur J1-Vorsorgeuntersuchung wie in Brandenburg können Jugendliche unterstützen, den niedergelassenen Kinder- und Jugendarzt oder Hausarzt aufzusuchen.

Gemeinsames Ziel ist, einen vollständigen Impfschutz gerade auch für Jugendliche vor dem Tor ins Erwachsenenleben aufzubauen.

Besonderen Dank gilt der Unterstützung durch die folgenden Institutionen bzw. Arbeitsgruppen: Frau Borrmann (Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt), Frau Paulick (Gesundheitsamt Dresden), Frau Dr. Wichterich (AG der Kinder- und Jugendärztlichen Dienste Schleswig-Holstein), Herr Cramer/Dr. Woelk (Thüringer Landesverwaltungsamt), Frau Lerche/Dr. Littmann (Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern), Frau Dr. Ludwig/Frau Dr. Nennstiel-Ratzel (Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit), Herr Simon (Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen), Frau Hohlfeld, Frau Siffczyk (Abt. Gesundheit LUGV Brandenburg) - und Herrn Prof. Schneeweiß für die Beratung im Vorfeld.

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  38. Robert Koch-Institut (Hrsg.) Aktuelle Epidemiologie und Erfahrungen aus Ausbruchsuntersuchungen Epidemiologisches Bulletin 2010/2011
  39. Knuf M (2010) Ein hochgestecktes Ziel: Ist die Ausrottung der Masern gefährdet? Kinderärztliche Praxis Sonderheft 5:25-27
  40. CDC (Hrsg)Prevention and Control of Meningococcal Disease,Recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP), Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR) 54/RR-7: 1-17
  41. Ellsäßer et al. Brandenburg (2011) Ein Drittel der Schüler lässt sich sofort impfen, Der Impfbrief-online, www.impfbrief.de, Ausgabe Nr. 48
  42. Brotherton J et al. (2011) Early effect of the HPV vaccination programme on cervical abnormalities in Victoria, Australia: an ecological study, Lancet 377:2085-92
  43. Projektbericht, siehe Protokoll der Februarsitzung 2013 der Unterarbeitsgruppe Impfprävention im Bündnis Gesund Aufwachsen des Landes Brandenburg, www.buendnis-gesund-aufwachsen.de


Letzte Änderung: 2013-05-23 13:18:44

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17.05.2013

Bewegung im deutschen Impfwesen: zentraler Hemmschuh bald entfernt

Die Finanzierung einer koordinierenden Geschäftsstelle für den Nationalen Impfplan, die die Bundesländer im Juni 2012 gefordert hatten, ist gesichert. Das Bundesgesundheitsministerium habe inzwischen eine Zusage zur hälftigen Teilfinanzierung der Geschäftsstelle gemacht, die andere Hälfte werde von den Ländern getragen, erläuterten der bayerische Gesundheitsminister Dr. Marcel Huber und Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack gestern während der abschließenden Podiumsdiskussion im Rahmen der 3. Nationalen Impfkonferenz (München, 15. - 16. Mai 2013).

Es würden sich derzeit drei Institutionen darum bewerben, die Geschäftsstelle zu übernehmen. Nach Minister Huber ist eine davon in Bayern. Wenn alles laufe wie vorgesehen, könne die Einrichtung und der Sitz der Geschäftsstelle bei der kommenden GMK-Konferenz im Sommer beschlossen werden.

Damit wäre ein großer Schritt getan, um innerhalb des weitgehend föderal organisierten und stark zersplitterten deutschen Impfwesens bundesweites koordiniertes Handeln zu ermöglichen - eine langjährige zentrale Forderung vieler Akteure. (HTR)

Letzte Änderung: 2013-05-17 10:04:48

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28.04.2013

STIKO-Empfehlung zur Impfung gegen Rotaviren ist absehbar

Im Rahmen der DGPI-Konferenz 2013 kündigte Dr. Judith Koch (RKI) an, dass die Ständige Impfkommission im August 2013 (Epi Bull 34 und 35/2013) eine ausführliche Stellungnahme zur allgemeinen Impfung gegen Rotaviren für Säuglinge im Alter unter 6 Monaten veröffentlichen wird.

Auch wenn noch einzelne Stellungnahmen der beteiligten Akteure ausstehen, ist von einer positiven Bewertung auszugehen. (HTR)

Letzte Änderung: 2013-04-29 07:36:39

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28.04.2013

Deutschland: Maserneliminierung 2013 erneut misslungen

Deutschland hat erneut die Maserneliminierung verpasst. Die Schwelle von 1 Erkrankung auf 1 Million Einwohner wurde in diesen Tagen erneut überschritten (siehe Masernticker).

Eine Eliminierung kann laut Weltgesundheitsorganisation erst erklärt werden, wenn die Unterbrechung einheimischer Viruszirkulation in allen Mitgliedstaaten über drei Jahre nach festgelegten Kriterien nachgewiesen worden ist.

Zu den Strategien der Maserneliminierung gehört, dass allen nicht-immunen Personen eine "zweite Chance" zur Masernimpfung durch ergänzende Impfmaßnahmen gegeben wird, z.B. an Schulen. Multisektorielle Partnerschaften der Akteure im Impfwesen gehören ebenfalls dazu sowie eine verbesserte Surveillance (Labor- und Fall-basiert!). Auch eine bessere Verfügbarkeit hochwertiger Informationen zu Nutzen und Risiken der MMR-Impfung gehört zu den Schlüsselstrategien der WHO.

Im Epidemiologischen Bulletin 16/2013 hat das RKI ausdrücklich darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, den aktuellen Impfempfehlungen entsprechend gegen Masern zu impfen. (HTR)

Letzte Änderung: 2013-04-28 13:57:40

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23.04.2013

Neue Tools der ECDC zur Europäischen Impfwoche (22.-27. April)

Die europäische Gesundheitsorganisation ECDC hat aus Anlass der Europäischen Impfwoche 22.-27. April 2013 zwei neue Tools veröffentlicht:

Eine interaktive Europakarte mit den regionalen Masern-Impfraten der vergangenen fünf Jahre (soweit verfügbar) sowie mit einem interaktiven Graph der Maserninzidenz.

Außerdem eine Übersicht über alle Impfkalender innerhalb Europas mit der Möglichkeit, diese vergleichend darzustellen. (HTR)

Letzte Änderung: 2013-04-23 09:51:42

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02.04.2013

Informationen zu Mumps aktualisiert

Das Robert Koch-Institut hat den Abschnitt über Mumps im "Ratgeber für Ärzte" überarbeitet und im aktuellen Epidemiologischen Bulletin 13/2013 veröffentlicht. Wie in anderen Ländern wird auch in Deutschland eine Verschiebung des Erkrankungsalters hin zu älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen beobachtet. Mögliche Ursachen werden diskutiert. Dazu gehört auch eine Impfrate von etwa 50% für die zweifache Mumpsimpfung in dieser Altersgruppe.
Für den Fall eines Ausbruchs hat das RKI klare Vorgaben gemacht, wann und für wie lange ein Ausschluss  aus Gemeinschaftseinrichtungen vorzunehmen ist. (HTR)

Letzte Änderung: 2013-04-02 15:06:42

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27.03.2013

PEI bewertet die Verdachtsfälle auf Impfnebenwirkungen/-schäden für 2011

Im heute veröffentlichten Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausgabe 1/2013, bewertet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) Verdachtsmeldungen auf Nebenwirkungen oder bleibende Schäden durch Impfungen aus dem Jahr 2011. Gegenüber 2009 oder 2010 sind keine wesentlichen Unterschiede erkennbar.

In keinem der 1.778 Verdachtsfälle wurde der ursächliche Zusammenhang mit einem Impfstoff vom PEI nach den Kriterien der WHO als „gesichert“ beurteilt. Als „wahrscheinlich“, wurde er bei 4,4% der Fälle eingestuft, bei 46,3% als „möglich“ und bei 20,1% als „unwahrscheinlich“. In 29,2% der Fälle war keine abschließende Beurteilung möglich. In 6 Fällen mit tödlichem Ausgang hat das PEI einen ursächlichen Zusammenhang mit der jeweiligen Impfung als „unwahrscheinlich“ bewertet.
Bei 443 Meldungen lag das Impfdatum vor dem 1.1.2011.

62 Meldungen betrafen Preflucel, hauptsächlich Überempfindlichkeitsreaktionen. Der Hersteller nahm daraufhin den Impfstoff im Oktober 2011 vom Markt und stellte die Herstellung um. Nach Neubewertung durch die EMA darf Preflucel nun wieder eingesetzt werden.

Wie das Beispiel Preflucel zeigt, sind möglichst großzügige Verdachtsmeldungen wichtiger Bestandteil der Impfstoff-Sicherheit. Insgesamt ist die Rate von Meldungen nach dem IfSG in den neuen Bundesländern höher als in den alten Bundesländern.

Das Bulletin zur Arzneimittelsicherheit wird vom PEI in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) herausgegeben. (HTR)

Letzte Änderung: 2013-05-01 13:32:05

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01.03.2013

Aktuelle Daten zur Narkolepsie

Das Paul-Ehrlich-Institut aktualisierte am 28. Februar die national und international vorliegenden Daten zu Narkolepsie durch Pandemrix. Es fasst zusammen, dass neben den Ergebnissen aus Schweden die Ergebnisse weiterer retrospektiver epidemiologischer Studien in Finnland, Irland, Frankreich und England auf ein Narkolepsie-Risiko bei Kindern und Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen durch Pandemrix hinweisen. In Frankreich wurde ein Signal auch bei Erwachsenen detektiert, das durch weitere Untersuchungen bestätigt werden müsse.

  • Die Ergebnisse der internationalen standardisierten VAESCO-Studie könnten aufgrund zahlreicher Einschränkungen keine neuen Erkenntnisse beisteuern.
  • In Frankreich sei die Bedeutung möglicher Störfaktoren schwer einzuschätzen. Interessant ist das Signal für ein erhöhtes Risiko im Erwachsenenalter.
  • Die Ergebnisse in England wurden eventuell durch eine erhöhte Aufmerksamkeit im Zuge der Berichterstattung beeinflusst.

Das PEI fasst zusammen: "Es ist derzeit kein Mechanismus bekannt oder plausibel, wie eine Impfung eine so komplexe Erkrankung wie die Narkolepsie auslösen könnte. Die o.g. epidemiologischen Studien weisen auf ein Narkolepsie-Risiko nach Pandemrix-Impfung hin, auf das mittels regulatorischer Maßnahmen (Einschränkung des Anwendungsbereichs) reagiert wurde. Als bewiesen kann das Risiko bisher nicht gelten, weil ein plausibler physiologischer Mechanismus bei Mensch oder Tier nicht gefunden wurde." (HTR)

Letzte Änderung: 2013-03-01 16:37:00

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01.03.2013

Neue und veränderte Zulassungen für Impfstoffe

In seiner Sitzung vom 19. bis 21. Februar hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zu folgenden Impfstoffen positive Gutachten (Positive Opinion) abgegeben:

  • Hexacima (SPMSD), 6fach-Impfstoff einzusetzen ab 6 Wochen bis zum Alter von 24 Monaten.
  • Hexyon (SPMSD), 6fach-Impfstoff einzusetzen ab 6 Wochen bis zum Alter von 24 Monaten.

Bereits am 13. Dezember gab der CHMP ein positives Gutachten dafür ab, den Impfstoff gegen Japanische Enzephalitis, Ixiaro (Intercell), bereits für Kinder ab 2 Monaten zuzulassen. Nach Meldung des Herstellers wurde die Zulassung jetzt erteilt. (HTR)

Letzte Änderung: 2013-03-01 16:29:15

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19.02.2013

Keine Illusionen! Maserneliminierung in Deutschland

Aus Anlass eines Leitartikels der Ärztezeitung über die Maserneliminierung stellen wir einen Übersichtsartikel aus dem Impfbrief öffentlich zur Verfügung.

Durchimpfungsraten in Schleswig-Holstein - Update

Im Impfbrief Oktober 2009 berichteten H.-M. Bader und M. Ludwig über Impfraten bei Kindern in Schleswig-Holstein. Die Methodik wurde dort ausführlich beschrieben. Jetzt sind auf der Website des Schleswig-Holsteinischen Gesundheitsministeriums aktuelle Daten veröffentlicht worden, die verdeutlichen, welche Fortschritte in den vergangenen drei Jahren erreicht werden konnten – oder auch nicht. Zusätzlich zu den aktuellen Impfraten im Kindesalter und dem Schulalter wurden von den landeseigenen Arbeitsmedizinischen Diensten Daten über Erwachsenenimpfungen in der Arbeitswelt erhoben. Das geschah letztmalig 2003. Am gesamten Bericht oder in einem Teilbereich beteiligte Autoren sind H.-M. Bader, M. Ludwig, A. Heiser, D. Wichterich, R. Rasch, P. Egler, H. Harder und G. Schroeder.

Impfquoten nach KV-Abrechnungsziffern 2009 – 2011

Bei Kindern, die im Jahr 2009 geboren wurden, soll im Alter von 24 Monaten die Grundimmunisierung durch die Standardimpfungen laut Ständiger Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts abgeschlossen sein. Dieses Ziel werde auch in 2011 nicht erreicht, konstatieren die Autoren der Übersicht. Besonders deutlich zeige sich das bei den Komponenten der Sechsfachimpfung: Trotz geringer Verbesserung seit 2005 hätten immer noch knapp 20% der Kinder im Alter von 24 Monaten nicht den altersgemäßer Impfschutz (mind. 4 Impfdosen) aufgebaut (Tabelle 1 und 2), gegen Hepatitis B seien 24% der Kinder unvollständig immunisiert. Erst ab dem 3. Lebensjahr (2-5 Jahre) würden sich Quoten von 94% und höher bei Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Polio finden.
Die Verzögerung in den beiden ersten Lebensjahren ist am Beispiel der beiden Masernimpfungen dargestellt (Abbildung 1). Gegenüber dem Bericht aus dem Jahr 2009 (Impfbrief Oktober 2009 http://www.impfbrief.de/index.php?nav=30&uunav=413) ist leider nur ein geringfügiger Anstieg zu verzeichnen.

Demgegenüber werden die Impfungen gegen Pneumokokken und Meningitis C seit der Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen im Oktober 2006 zunehmend breiter eingesetzt (Tabelle 2). Bei den Schulanfängern liegen die Impfraten dieser seit 5 Jahren empfohlenen Standardimpfungen noch deutlich niedriger, so die Autoren. Im Jahr 2011 wiesen 35,8% der angehenden ABC-Schützen mindestens eine Pneumokokkenimpfung auf, bzw. 6,4% waren mindestens 4 Mal geimpft. Die Impfung gegen Meningitis C hatten immerhin 73,8% der Einschüler erhalten.

Impfschutz bei Aufnahme in den Kindergarten Schleswig-Holstein 2011

Seit etwa 5 Jahren werden auch in Schleswig-Holstein zunehmend Kinder unter 3 Jahren in den Kindergarten aufgenommen. Diese Stichprobe umfasst daher einen anderen Altersbereich als die eingangs besprochenen Daten laut KV-Abrechnungsziffern. Der Altersbereich bei Aufnahme in die Gemeinschaftseinrichtung liegt zwischen 1 bzw. 2 Jahren und 5 Jahren. Dies wirkt sich vor allem auf die durchschnittliche Raten der zweiten Masernimpfung aus, da diese generell eher verzögert verabreicht wird. Nach Angaben der Autoren zeigte der neu in den Kindergarten aufgenommene Jahrgang 2011 landesweit wie in den letzten vier Jahren keinen Zuwachs der Rate für die zweite Masernimpfung. Erst ab dem dritten Lebensjahr stieg die Durchimpfungsrate bei den aufgenommenen Kindern deutlich an (79% auf 83,3%). Das läge jedoch zum dritten Mal seit 2008 unter dem damaligen Wert von 85,7%. Erst noch später - bei Einschulung - mit 6 Jahren hätten die Kinder dann zu 92,9% die zweite Impfung gegen Masern erhalten, zu 96,1% die erste Impfung (Schulgesundheitsbericht SH 2011/12)
Gegen Pneumokokken waren 2011 bereits 83,5% der Kinder bei Aufnahme in einen Kindergarten ausreichend geimpft und 83,2% gegen Meningitis C.

Tabelle 1: Impfschutzraten (%) bei Kindern bis 24 Monaten in SH 2011 (geboren 2009) in Abhängigkeit vom Alter nach KV-Ziffern-Abrechnung (U3 bis U7 komplett, n=14.938)

Tabelle 2: Impfschutz von Kleinkindern mit komplett durchgeführten U3 bis U7 nach KV-Abrechnungsziffern im Alter von 24 Monaten für die Jahre 2005 bis 2008 in Schleswig-Holstein; verändert nach H.-M. Bader und M. Ludwig.

Abbildung 1: Masernimpfung in Schleswig-Holstein 2009 bis 2011 nach KV-Abrechn.Ziffern von Kindern im Alter von 0 bis 27 Monaten (n=14.938) mit komplett durchgeführten U3 bis U7.

Impfschutz bei Schulkindern von Einschulung bis 8. Klassenstufe

Nach den aktuellen Erhebungen im Rahmen der Einschulungsuntersuchungen 2010/11 wurde von 92,4% ein Vorsorgeheft vorgelegt. Von diesen Einschülern haben 95,2% an allen Vorsorgen (U3 bis U7) teilgenommen.
Im Jahr 2011 waren 92,9% aller Schulanfänger zwei Mal gegen Masern geimpft (2010: 92,3%). Bei Schulkindern (4. bis 8. Klassen) zeigen sich insbesondere bei den von der STIKO empfohlenen Auffrischimpfungen im Alter zwischen 9 bis 17 Jahren deutliche Impflücken. Eine detaillierte Übersicht geben D. Wichterich und R. Rasch ebenfalls auf der Website des Schleswig-Holsteinischen Gesundheitsministeriums.

Impfschutz bei Erwachsenen in der Arbeitswelt

Vom Dezember 2010 bis Dezember 2011 haben 28 Arbeitsmedizinische Dienste (AMD) in Schleswig-Holstein (SH) aus 2.538 Einsendungen 1.996 mit vorhandenem Impfausweis auswerten können, darunter 711 Impfausweise von Tätigen im Gesundheitsdienst. Es wurden Daten zum Impfschutz Erwachsener in der Arbeitswelt erhoben. Diese wurden verglichen mit der Ersterhebung 2003 (Bader und Egler: Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz, 2004 Dec;47(12):1204-15). Die Impfungen gegen Pertussis und Windpocken wurden 2011 zusätzlich in die Abfrage aufgenommen.

Seit 2007 wird ein verlässlicher Masernschutz nicht mehr nur dem Personal auf onkologischen und pädiatrischen Stationen empfohlen sowie in der Betreuung Immundefizienter, sondern generell für Beschäftigte im Gesundheitsdienst. Außerdem wurde die Impfempfehlung für das Personal in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter und Kinderheimen auf das Personal sämtlicher Gemeinschaftseinrichtungen ausgeweitet. Im Jahr 2010 kam noch die Masernimpfung für unzureichend geimpfte Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden, hinzu. Diese Empfehlungen sind mindestens in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen bei weitem nicht ausreichend umgesetzt (Abbildung 2). In jüngeren Altersgruppen tragen inzwischen die besseren Impfraten im Kindes- und Jugendalter wesentlich zu einer besseren Durchimpfung bei.

Abbildung 2: Anteil der Tätigen im Gesundheitsdienst, die mindestens eine Masernimpfung erhalten haben, aufgeschlüsselt nach Alter, Schleswig-Holstein 2011 im Vergleich zu 2003.

Der Hepatitis-B-Impfschutz des Personals im Gesundheitswesen habe sich im Vergleich zu 2003 in Schleswig-Holstein nicht verbessert, so die Autoren. Die Durchimpfungsrate betrage weiterhin durchschnittlich 78% über alle Altersgruppen zusammengefasst. Lediglich innerhalb der einzelnen Altersgruppen zeigten sich Verschiebungen von 2 bis 7 Prozentpunkte in beide Richtungen. In der Gesamtgruppe (einschließlich medizinischem Personal) beträgt die durchschnittliche Impfrate 52% über alle Altersgruppen. Wobei Beschäftigte unter 30 Jahren mit 73% wiederum besser durchimpft sind. Die Impfempfehlung für Personal mit Kontakt zu Blut und/oder möglichen HBsAg-Trägern besteht seit Jahrzehnten, Kindern und Jugendlichen wird die Impfung seit 1995 generell empfohlen.

Die Überprüfung der Impfpässe diente nicht allein der Datenerhebung. Von 2.538 Beschäftigten, bei denen eine Impflücke gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und/oder Polio festgestellt wurde, ließen 70% (1.780) die Impflücke schließen. Darüber hinaus wurden 151 Impfungen gegen Hepatitis B, 139 Impfungen gegen Hepatitis A und 80 weitere Impfungen verabreicht.

Die Autoren betonten, dass Betriebsärzte eine wichtige Lücke in der Impfprävention ausfüllen – wie es vom Nationalen Impfplan gefordert wird. (HTR)

Anmerkung: Die arbeitsmedizinische Erhebung wurde unterstützt durch die Firmen GlaxoSmithKline und Sanofi Pasteur MSD

Weiterführende Informationen:

Masern in Deutschland 

Masern- und Röteln-Überwachung in Europa: August 2011 bis Jui 2012

Steigerung von Impfraten durch elektronische Impfplaner - Teil II: Masernimpfschutz in Hausarztpraxen

Letzte Änderung: 2013-02-19 10:58:10