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21.11.2016

"So weit von Maserneliminierung entfernt wie lange nicht"

Die Nationalen Verifizierungskommission Masern/Röteln beim Robert Koch-Institut (NAVKO) hat ihren aktuellen Bericht für 2015 vorgelegt. Sie fand deutliche Worte: „Die Kommission konnte […] nicht feststellen, dass das bestehende nationale gesundheitspolitische Bekenntnis zur Eliminierung der Masern und Röteln zu deutlichen Schritten hin zu einer Erreichung der Ziele geführt hat. […] Deutschland [war] im Jahr 2015 von der Elimination der Masern so weit entfernt wie lange nicht.“

NAVKO schätzte die Masernviruszirkulation im Jahr 2015 als endemisch ein. Mit einer Inzidenz von 31 Masernfällen pro 1 Mio. Einwohner (gefordert sind 1 Fall pro 1 Mio.) ist sie 2015 deutlich höher als im Vorjahr (rund 5 Fälle/ 1 Mio. Einwohner). Deutschland zählte damit laut WHO und ECDC zu den Ländern mit der höchsten Maserninzidenz in Europa.

Bezüglich der Röteln sei es durchaus möglich, dass die endemische Transmission unterbrochen wurde, dies könne jedoch aufgrund der schlechten Qualität der Surveillance nicht belegt werden. Anlässlich forderte die NAVKO das RKI erneut auf, zeitnah Lösungsvorschläge für eine Zusammenführung der beiden Datensätze des Nationalen Referenzzentrums für Masern, Mumps, Röteln und des Surveillancesystems zu erarbeiten. Dieses habe auch die WHO bereits mehrfach angemahnt. (HTR)

Kommentar

Pläne statt Aktion?

Um geringe Erkrankungszahlen zu erreichen, muss vermehrt geimpft werden und zudem schnell auf Ausbrüche reagiert werden. Dafür muss der öffentliche Gesundheitsdienst ausreichend ausgestattet sein. Die NAVKO kritisierte scharf, dass bisher wenig nachhaltige Verbesserungen in Bezug auf ausreichende Ressourcen der entsprechenden Behörden auf kommunaler, regionaler wie auch nationaler Ebene erreicht wurden, obwohl die Gesundheitsministerkonferenz wiederholt Beschlüsse dazu gefasst hatte.

Gut, dass wir einen Nationalen Impfplan haben, dann wissen wir wenigstens, was wir alles nicht tun. Oder in Anlehnung an S. Wickert (Frankfurt): „Ein Plan bringt noch keine Impfnadel in den Arm.“ (HTR)

Letzte Änderung: 2016-11-21 12:48:54

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23.09.2016

Saison 2016/17 LAIV gleichwertig mit TIV einsetzen

Die Ständige Impfkommission hat aufgrund der heterogenen Datenlage ihre Empfehlung, Influenza-Lebendimpfstoff bei Kindern im Alter von 2 bis 6 Jahren bevorzugt einzusetzen, für diese Grippesaison ausgesetzt.
In die Entscheidung flossen das breitere Antigensprektrum des (quadrivalenten) Lebendimpfstoffs, die bessere Wirksamkeit des (meist trivalenten) Totimpfstoffs und die international heterogene Datenlage mit ein.

Neben internationalen Daten lag der Empfehlung auch eine gemeinsame Studie aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zur Wirksamkeit LAIV vs. TIV zugrunde.

Die Ursachen sind weiterhin unklar. Wörtlich heißt es in der Stellungnahme der STIKO: "Eine  plausible  wissenschaftliche  Erklärung  für  die  reduzierte Wirksamkeit von LAIV gegen A/H1N1pdm2009 bzw. für  die  widersprüchlichen  Ergebnisse  aus  einzelnen  Ländern gibt es derzeit nicht." (HTR)

Siehe auch Vorberichte im Impfbrief:

Wirksamkeit von FluMist - weitere Daten
Hat LAIV (FluMist(R)/Fluenz(R)) seine Wirksamkeit verloren?

Letzte Änderung: 2016-09-23 09:03:41

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21.09.2016

STIKO to go: Impf-App erschienen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) jetzt für Smartphones zugänglich gemacht. Im Wesentlichen handelt es sich um den Text aus dem Epi.Bull. 34/2016 mit einigen Ergänzungen von den Internetseiten der STIKO bzw. des RKI. Zielgruppe sind impfende Ärztinnen und Ärzte. Die STIKO@rki-App für Android (ab Version 5.1) und in Kürze auch für iOS
(Version 8.2) ist kostenlos:
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.boerm.bruckmeier.robert_koch_institut_stiko

Sie nutzen die Impf-App? Sagen Sie uns Ihre Meinung dazu: info@impfbrief.de

(HTR)

Letzte Änderung: 2016-09-21 09:14:52

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31.08.2016

Änderungen in den neuen STIKO-Empfehlungen

Die Ständige Impfkommission hat turnusgemäß im am Montag erschienenen Epi.Bull. 34/2016 ihre aktualisierten Empfehlungen veröffentlicht. Große Veränderungen hat es diesmal nicht gegeben, der Standardimpfkalender bleibt.

Im Wesentlichen ist neu, dass auch Haushaltskontaktpersonen von chronisch Kranken die Influenzaimpfung empfohlen wird. Außerdem fiel die Abwägung 23-valenter Polysaccharidimpfstoff vs. 13-valenter Konjugatimpfstoff für Senioren für den bisher auch angewendeten Polysaccharidimpfstoff aus. Wobei nach 6 Jahren für Risikopersonen doch eine Wiederimpfung in Betracht kommt. Damit wurde eine ältere Empfehlung in eingeschränkter Form erneut aufgegriffen. Neuerdings wird diese Impfung auch Personen empfohlen, die beruflich Metallrauchen ausgesetzt sind (z.B. Schweißer).

Der Absatz zur Aufklärung vor Schutzimpfungen wurde neu formuliert, insbesondere im Hinblick auf die Verantwortung des Impfarztes/der Impfärztin. In dessen/deren Verantwortung liegt auch, den Verdacht auf eine mögliche Impfkomplikation zu melden. Die neu aufgenommenen "Kriterien zur Abgrenzung einer üblichen Impfreaktion von dem Verdacht auf eine mögliche Impfkomplikation" sind hierfür wichtige Hilfen.

Neu aufgenommen wurde auch ein Abschnitt zu Maßnahmen, die den Impfschmerz in verschiedenen Lebensaltern reduzieren können.

Veränderungen gegenüber dem Vorjahr sind wie üblich im Dokument blau markiert. Die wissenschaftlichen Begründungen zu Änderungen werden in den folgenden Ausgaben des Epi. Bull. veröffentlicht. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-08-31 16:53:31

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07.07.2016

Verdachtsfälle von Impfkomplikationen für 2014 analysiert

Im aktuellen Bulletin zur Arzneimittelsicherheit werden turnusmäßig die Meldungen auf Verdachtsfälle von Impfkomplikationen analysiert. Auch wenn es einzelne ungewöhnliche Fälle gibt, ist doch insgesamt kein neues "Signal" aufgetreten. Weitere Themen sind u.a. Anaphylaxien nach Impfungen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-07-07 17:58:03

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04.07.2016

Lieferengpass bei Sechsfachimpfstoffen - innerhalb der Impfserie wechseln

Aktuell bestehen Lieferengpässe bei Sechsfachimpfstoffen. Infanrix hexa® ist voraussichtlich erst wieder ab Mitte/Ende Juli verfügbar und auch Hexyon hatte einen Engpass. Deshalb hat das Paul-Ehrlich-Institut vorübergehend für Frankreich und Italien produzierte Chargen für den deutschen Markt zugelassen (siehe Meldung vom 30.6.2016).

Zum Vorgehen hat die STIKO eine ausführliche Handlungsempfehlung verfasst.

Dort heißt es zum Wechsel zwischen verschiedenen Impfstoffen:

"Wenn bei dringend erforderlicher Impfung ein für die jeweilige Indikation und das Alter zugelassener Impfstoff nicht verfügbar ist, sollte – auch bei der Erstimmunisierung - auf verfügbare Impfstoffe mit vergleichbarem Antigengehalt zurückgegriffen werden."

Im aktuellen Epi Bull 26/2016 hat sie dies noch einmal präzisiert:

"1. Innerhalb einer Impfserie kann zwischen den hexavalenten
Impfstoffen  (Infanrix  hexa® und  Hexyon®)  gewechselt  werden, wenn dies aus Verfügbarkeitsgründen notwendig ist."

und

"1. Priorität haben Säuglinge, die bislang keine oder nur eine hexavalente Dosis erhalten haben."

Damit ist nun klargestellt, dass auch innerhalb der Grundimmunisierung, also zwischen 1. und 2. Dosis der Sechsfachimpfstoff gewechselt werden kann bzw. sollte. In dieser Situation hat der möglichst frühzeitige Schutz Ungeimpfter Priorität. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-07-04 11:12:51

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24.06.2016

ACIP setzt 2016/17 Empfehlung für LAIV (FluMist/Fluenz) aus (mit Update vom 7.7.2016)

Das US-amerikanische Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) hat am 22. Juni bekannt gegeben, dass es für die kommende Influenzasaison 2016/17 den attenuierten Lebendimpfstoff gegen Influenza (LAIV) nicht mehr empfiehlt.

Diese Entscheidung gingen drei Saisons voraus, in denen LAIV keinen oder einen schlechteren Effekt hatte als inaktivierter Influenzaimpfstoff. Die Ursachen sind noch unklar. Offen ist auch, ob dieses Phänomen weltweit aufgetreten ist oder nur regional. (HTR)

Update vom 7.7.2016

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA kommentierte am 27.6.2016 die ACIP-Empfehlung. Sie geht kritisch auf die widersprüchliche Datenlage ein und sieht die Vorteile des Impfstoffs weiterhin den potenziellen Risiken (resp. der potenziellen Unwirksamkeit gegenüber) als überlegen an: "As such, the agency has determined that specific regulatory action is not warranted at this time." (HTR)

Letzte Änderung: 2016-07-07 17:44:10

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20.04.2016

Europäische Impfwoche: Kreuzworträtsel

Vom 24. bis 30. April 2016 findet wieder die Europäische Impfwoche statt, die vom Regionalbüro für Europa der Weltgesundheitsorganisation ausgerufen wird. Traditionell liegt sie parallel zur Weltimpfwoche.

Anleitungen für PR-Kampagnen oder nationale Planungen, können auf der Kampagnenseite  ebenso heruntergeladen werden wie verschiedene Poster; außerdem gibt es ein Forum zum Austausch.

Der Impfbrief hat diesmal aus Anlass der Impfwoche für seine Leser ein nicht ganz ernst zu nehmendes Kreuzworträtsel rund um Impfungen, Impfstoffe und Infektionskrankheiten zusammengestellt. Wir wünschen viel Spaß beim Lösen! (HTR)

Letzte Änderung: 2016-04-20 09:42:54

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11.04.2016

Neues zum Umgang mit Lieferengpässen und zum Präventionsgesetz

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es bei Nicht-Verfügbarkeit bestimmter Tdap- und Td(ap)-IPV-Impfstoffe auch relativ schnell bei den empfohlenen Ausweichimpfstoffen zu Engpässen kommt.

Die Ständige Impfkommission hat daher im aktuellenEpidemiologischen Bulletin 14/2016 Empfehlungen zum grundsätzlichen Vorgehen bei mangelnder Impfstoffverfügbarkeit veröffentlicht. Dazu gehören unter anderem eine Priorisierung (soweit möglich) nach Impfstatus und Risikogruppen, ein Recallsystem einzurichten und ggf. die Erst- bzw. Gundimmunisierung mit einem Ausweichimpfstoff auszuführen.

Außerdem erläutert diese Ausgabe, welche Konsequenzen sich aus dem Artikel 8 des Präventionsgesetzes ergeben. Die praktische Bedeutung der Veränderungen im Infektionsschutzgesetz wird erläutert. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-04-11 10:35:59

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05.02.2016

Erstes Signal für Influenza-B-Mismatch der trivalenten Influenzaimpfstoffe?

Im Wochenbericht der 4. Kalenderwoche berichtet die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI), dass seit Beginn der Saison im Herbst 2015 insgesamt 99 Influenzaviren angezüchtet bzw. genauer untersucht werden konnten. Das Ergebnis:

  • 83 Influenza-A-Viren (92% vom Subtyp A(H1N1)pdm09, 8% Subtyp A(H3N2)) und
  • 16 Influenza-B-Viren.

Von den 16 Influenza-B-Viren repräsentieren 13 die B-Victoria-Linie. Diese ist im trivalenten Impfstoff jedoch nicht enthalten. Der Impfstamm B/Phuket/3073/2013 gehört zur Yamagata-Linie. Quadrivalente Impfstoffe enthalten mit dem Impfstamm B/Brisbane/60/2008 Antigene der Victoria-Linie.

Es handelt sich um erste Proben, die Ergebnisse sind daher noch mit Vorsicht zu betrachten. Aber auch innerhalb Europas dominiert aktuell die Victoria-Linie gegenüber der Yamagata-Linie (126 vs. 6 in den ersten 4 Wochen 2016; 274 vs. 17 in der Saison; Stand: TESSy 5.2.2016).

Die Impfstämme gegen Influenza A stimmen weitgehend mit den aktuell zirkulierenden Viren überein. (HTR)

Letzte Änderung: 2016-02-05 11:10:46